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Die Midlife Crisis
Auszüge aus dem Buch "Il était une Foi... "(Es war einmal/ein Glaube…)
Gespräche mit Bernard Montaud von Jean-Claude Duret
Edit’as Verlag - 2000

„Der moderne Mensch wird eine neue Lebensleistung erbringen müssen, einfach weil er sich vor einer ganz neuen Sackgasse des Lebens befindet: die der Sinnlosigkeit, nur an den einzig weltlichen und materiellen Erfolg zu glauben. Diese Midlife Crisis ist wirklich eine riesige Begegnung, denn sie wird die Menschheit nötigen, den Lebensaufgabe-Menschen zu erfinden. Aber indem man diese neue Leistung erfindet, heißt das nicht, einen anderen Sinn für die ganze menschliche Existenz zu schaffen? Indem die Geschichte somit eine neue Art und Weise sein Leben zu meistern anbietet, wird sie damit nicht den Menschen dazu anregen, sich zu einem neuen Glauben und einer neuen politischen Auffassung vorzudringen? Tatsächlich, alles, was wir bezüglich des Glaubens und der kommenden Politik haben sagen können, führt zur Offenbarung der Bedeutung dieser Midlife Crisis hin. Denn aufgrund dieser nicht mehr ignorierten, sondern erkannten Krise wird ein anderer Glaubender und ein anderer Wähler möglich und dann erst wird unsere ganze Gesellschaft sich ändern können.
Die ganze Absicht der Midlife Crisis ist, uns zu erlauben, den Lebensaufgabe-Menschen zu erfinden, einen zweiten Abschnitt des aktiven Lebens zu erfinden und das könnte die Lösung für viele unserer sozialen und wirtschaftlichen Probleme sein. Die ganze Geschichte wartet darauf, dass wir diese große Tat vollbringen. Dann also wird vielleicht das Konzept der Lebensaufgabe eine neue Eindeutigkeit erlangen, eine neue Errungenschaft für die kommenden Generationen. Und auf natürliche Weise werden unsere Nachkommen von dieser gesegneten Midlife Crisis zu profitieren wissen, wie heute z. B., da wir es vielen zurückliegenden Generationen verdanken, dass als Paar zu leben die Normalität darstellt. Morgen könnte man es uns verdanken, dass es genauso natürlich sein wird sich zu einer Lebensaufgabe umzuschulen, wie es heutzutage normal ist zu heiraten dank der Leistung unserer Vorfahren.
(...)
Zu Beginn handelt es sich immer um ein ungeklärtes Unbehagen, eine Art Unwohlsein, das man in Worte fassen muss, wenn man sich dessen bewusst werden möchte. Dieses Unbehagen ist jedoch sehr unbequem, denn wenn man einerseits feststellt, was man nicht mehr möchte, ignoriert man andererseits völlig, womit man es ersetzen möchte. Man sollte diese legitime Plage dieses Mannes oder dieser Frau durchaus verstehen, denn sie sind wirklich an einer Phase ihres Lebens angelangt, wo alles, was vorher intensiv war, jetzt zur Monotonie geworden ist. Mit 40 Jahren hat man groß gewordene Kinder. Sie orientieren sich anderweitig. Mit 40 Jahren ist man in der Regel schon 15 Jahre verheiratet und zwangsweise lebt man nicht mehr mit der anfänglichen Leidenschaft zusammen. Mit 40 Jahren ist die Arbeit zur Routine geworden. Urlaub, Freunde, Familie, das ist mehr oder weniger immer dasselbe. Mit 40 Jahren hat man sich etabliert. Was kann man da noch erwarten? Ist es im Grunde genommen nicht äußerst natürlich, dass eine kleine innere Stimme beginnt, einige erregende Neuheiten zu beanspruchen? Dann kann natürlich ein Berufs-, Partner-, Haus- oder Ortswechsel eine Zeit lang Illusionen erwecken.
Kurz gesagt, das erste Symptom ist durchaus folgendes: zuerst eine Demotivation für alte Werte und neben einem Bedürfnis nach einem erregenderen Leben, die Unfähigkeit neue Ersatzwerte zu erkennen. So sieht die Sackgasse aus! Dennoch, wenn man aufmerksam ist, produziert einerseits diese Desillusionierung eine Art Bilanz von all dem, was man gekannt hat, und andererseits kann das Bedürfnis nach einem neuen intensiven Leben auch plötzliches Interesse für bis dahin unbekannte Leute oder Sachen erwecken. Und lieber Gott, wie wichtig ist es diese tiefe Regung zum Sprechen zu bringen, sie zu erkennen, denn sonst wird das erste Abenteuer, wie z. B. der Ehebruch für das richtige Abenteuer gehalten, ohne jede Unterscheidung.“
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