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Die Körperpsychoanalyse
Die Körperpsychoanalyse oder die Körpersprache Artikel erschienen in der Revue „Psychoanalyse Magazine" – Februar/März 2002

„Bernard Montaud, Sie haben vor gut zwanzig Jahren die Körperpsycho-analyse begründet. Könnten Sie uns in einigen Worten die Natur dieser neuen Form der Psychoanalyse erklären?"
-Ich war seinerzeit Heilgymnastiker und besuchte einen Lehrgang in Osteopathie. Es kam demnach auf ganz natürliche Weise, dass ich mir über das Geheimnis des Körpers Fragen gestellt habe, und insbesondere über gewisse Reaktionen, die manchmal sehr starke Emotionen hervorrufen konnten. Wie kam es, dass manche meiner Patienten plötzlich in Tränen oder in gereiztes Lachen ausbrachen, wo doch äußerlich nichts eine solche Reaktion rechtfertigte? Wie kam es, dass manche unbeabsichtigte körperliche Ausbrüche, manche sehr bewusste physische Spasmen in der Lage waren, bei manchen starke Bilder hervorzurufen, die es demjenigen erlaubte einen Augenblick seiner Vergangenheit wieder zu erleben? Das waren die Fragen vor denen ich mich 1980 befand, indem ich das seltsame Verhalten einiger meiner Patienten beobachtete.
Und somit war Ihre Technik geboren. Sie erwähnen es übrigens sehr gut in Ihrem letzten Buch Die Nuklearpsychologie – Eine Lebensbegleitung . Kann man also sagen, dass ihre Art von Psychoanalyse aus einem körperlichen Loslassen resultiert, das man mit dem verbalen Loslassen der klassischen Psychoanalyse vergleichen könnte?
Ja, ganz genau! Der auf eine bestimmte Weise berührte Körper befindet sich in derselben Lage wie ein auf frischer Tat ertappter Lügner. Und was macht der frisch ertappte Lügner? Entweder wird er gewalttätig oder er wird sich rechtfertigen bzw. erklären müssen, warum er sich gezwungen fühlte so zu lügen. Mit dem Körper ist es genauso, wenn er plötzlich auf frischer Tat anormaler Angespanntheit in einem Gelenk oder in einem Muskel ertappt wird. Und wenn man diesen Körper wissen lässt, dass man seine Lüge bemerkt hat, wird auch er versuchen, entweder durch Spasmen oder durch unabsichtliche, aber bewusste Ausbrüche zu erzählen ,seit wann er gezwungen ist so zu lügen. So sieht man, wie einerseits der Körper durch Loslassen spontane, archaische Bewegungen wieder findet und andererseits wie in unserem Geist eine Art Film erweckt wird, dem wir folgen können und der uns eine traumatische Szene unserer Vergangenheit erzählen wird.
Ich vermute, dass es wie in allen Psychoanalysen ist, dass, wenn man auf diese Weise einer Szene aus seiner Vergangenheit beiwohnt, es möglich wird, seine Gegenwart besser zu verstehen. Im Grunde genommen geht es immer nur darum, in unserer Vergangenheit eine Erklärung für alle unsere Misserfolge in der Gegenwart zu finden…
Ja, ich sage es anders, aber es kommt aufs selbe hinaus. Meines Erachtens hat eine Vergangenheitserforschung nur einen Sinn, wenn sie von einer Arbeit an der Gegenwart begleitet ist. Was bringt es, seine Geschichte zu kennen, wenn es einem nicht erlaubt, ein bestimmtes „Mit-leid“ für seinen aktuellen Alltag zu bekommen! Ich glaube, dass alle unsere Misserfolge nur ein traumatisch zyklisches Verhalten sind, das das Einnisten eines Bewusstseinsniveaus im „Ego“ erlaubt. Ohne diese Misserfolge hätten wir kein Mittel, uns selbst wahrzunehmen. Zumindest durch diesen kleinen, täglichen, gewöhnlichen Schmerz, den unser traumatischer Verhaltenszyklus darstellt, verspürt sich jeder selber und das bildet das Ego. Sicherlich ist das kein Gipfel des Eigenbewusstseins! Aber auf alle Fälle erlaubt es jedem von uns als Mensch der Tierwelt gegenüber verschieden zu sein. Einerseits stellen die Misserfolge, das traumatische Verhalten einen Schmerz dar und andererseits handelt es sich auch um eine Chance für die Evolution der Arten. Und sie haben recht: seine gewöhnliche Verrücktheit, seine traumatische Dummheit, seine natürliche menschliche Unvollkommenheit oder seine Misserfolge zu erkennen, das geht immer über eine Erforschung seiner Vergangenheit. Denn unsere Misserfolge sind nur eine Programmierung, die aus einer während der verschiedenen Kleinkind- und Kindheitstraumen installierten Software resultiert.
Bezüglich der Traumen konnte ich in Ihren Büchern lesen, dass Sie sehr klar die verschiedenen Traumen, die jeder in seiner Geschichte durchmacht, identifiziert haben. Und wenn Sie das Geburtstrauma beschreiben – ein von Otto Rank am Anfang des letzten Jahrhunderts erfundenes Konzept - tun Sie es in einer bis jetzt unübertroffenen Präzision.
Wir haben aber keinen großen Verdienst: wir haben zwanzig Jahre damit verbracht, wieder erlebte Geburten und die verschiedenen anderen Traumen aufmerksam zu betrachten. Wenn man immer wieder dieselbe Landschaft ansieht, sieht man schließlich etwas klarer und auf ganz natürliche Weise nimmt man eines Tages eine gewisse Ordnung der Dinge wahr. Wie ich es im Buch „Die Begleitung zur Geburt “ schrieb, stimmt es, dass für uns das perinatale Trauma – das, was während unserer Geburt stattfindet – das für unsere Persönlichkeit grundlegende Trauma ist. Das ist das Trauma, das uns für eine definitive persönliche Unvollkommenheit programmiert, die dann alle unsere Misserfolge produziert. Die drei anderen Traumen (von der kleinen Kindheit, der Kindheit und der Pubertät) sind nur Anpassungen dieses perinatalen Traumas , je nach dem Alter, verschiedenen Reifesituationen. Aber die vier Traumen erzählen ganz genau dasselbe Schmerzensszenario für eine bestimmte Person. Diesen traumatischen Zusammenhang in sich selbst während einer Körperpsychoanalyse zu erkennen ist eine tiefe Quelle der Beruhigung gegenüber seiner täglichen „Dummheit“.
- Nach Ihrer Meinung sind unsere Misserfolge nur die gegenwärtige Erscheinungsform unserer vergangenen Traumen. Und Sie präzisieren, dass dieses Verhalten zyklisch ist, was schon eine erste Originalität darstellt – aber Sie fügen hinzu, dass es bis zu unserem Tode definitiv ist, was eine zweite Originalität ist. Wozu also an sich arbeiten, wenn es keine Hoffnung zur Veränderung gibt?
In der Tat meinen wir, weil wir es an uns und an über hundert Personen die zu uns kamen, um mit uns zu arbeiten, verifiziert haben, dass unsere Traumen eine Art unterbewusste Intelligenz erzeugen, die wir den „traumatischen Zyklus“ nennen. Dieser Zyklus wäre fähig, ständig die Psychobiologie unserer Persönlichkeit zu regulieren. Dank dieses traumatischen Zyklus, der unter allen Umständen unsere Kleinheit konjugiert, bleiben wir unserer Gestalt treu und durch ihn sind wir fähig, uns als lebendig wahrzunehmen. Und Sie haben Recht: Wir meinen, dass unsere persönliche menschliche Unvollkommenheit immer definitiv bleibt. Zuerst weil wir ohne diese Unvollkommenheit Menschen ohne Persönlichkeit und ohne Kontur werden würden, aber auch weil ein wenig überall eine ernste Verwirrung, was die Arbeit an sich selbst anbelangt, herrscht. In der Tat geht es nicht darum unsere Unvollkommenheit in Vollkommenheit umzuwandeln, denn das ist unmöglich und gegen die menschliche Natur. Nein, es geht eher darum den „unglücklichen Unvollkommenen“ in einen „glücklichen Unvollkommenen“ umzuwandeln. Könnte es sein, dass die neue Vollkommenheit die glückliche Unvollkommenheit sei? Auf diese Weise brauchen wir uns nicht unserer Kleinheit zu entledigen, aber wir können lernen darüber mit Mit-leid zu lächeln. Denn unsere Größe, die wir auch „Umgewandelter-Zyklus“ nennen, kann nur von einem inneren Kuss für unsere Kleinheit herrühren. Die Dinge auf diese Weise zu verstehen ändert alles bezüglich dem „Arbeit-an-sich-selbst"-Konzept.
Siehe : "La psychologie nucléaire - un accompagnement du Vivant" von Bernard Montaud und seinem Team, Edit'As Verlag, 2001. Verleger homepage
Siehe "L'accompagnement de la naissance" von Bernard Montaud, Edit'As Verlag 1997. Verleger homepage
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